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Geschichte der Dreifaltigkeitskirche

Der Bau der Dreifaltigkeitskirche ist die kreative Antwort auf eine große Katastrophe. 1689 zerstörten Truppen des französischen Königs Ludwig XIV im Pfälzischen Erbfolgekrieg die freie Reichsstadt Speyer. Zusammen mit vielen andern Städten, etwa Heidelberg und Worms sank die Stadt in Schutt und Asche. Wohnhäuser und Kirchen, ja selbst der Dom waren schwer geschädigt oder ganz zerstört. Die Bevölkerung musste ihre Stadt verlassen und war zehn Jahre lang verbannt.

 

Der Wiederaufbau begann, als die ersten Familien, überwiegend diejenigen, die den Rat der Stadt stellten, aus ihrem Asyl in Frankfurt am Main zurückkehrten. Weil es vor der Zerstörung der Stadt zwar Kirchen gab, in denen seit etwa Mitte des 16. Jahrhunderts lutherisch gepredigt wurde, aber keine Kirche, die den Lutheranern gehörte, begannen sie mit dem Neubau einer lutherischen Stadtkirche als erstes öffentliches Gebäude der Stadt. Zuständig war der Stadtrat, weil er zugleich das „religiöse Oberhaupt“ der Lutheraner in Speyer war. Das Rathaus und das Kaufhaus (die sogenannte „Alte Münze“) folgten erst später und sollten der Stadt ein neues Gesicht geben, obwohl der Wiederaufbau den mittelalterlichen Grundriss der Stadt im Wesentlichen erhielt. Seit Beginn der Reformation gab es auch in Speyer eine kleine aber selbständige reformierte Gemeinde. Ihre Kirche, die Heiliggeistkirche, wie sie seit 1818 heißt, wurde zwischen 1701 und 1703 gebaut. Das Raumkonzept entspricht in kleinerem Maßstab dem der Dreifaltigkeitskirche. Allerdings ist sei nach reformierter Tradition vollkommen schmucklos.

Für die Bürgerschaft war der Wiederaufbau der Stadt, vor allem der Kirchenbau, ein finanzieller Kraftakt in Zeiten der Not und immer wieder auch kriegerischer Auseinandersetzungen. Doch als Stadt vieler Reichstage und (vor der Zerstörung) Sitz des höchsten Gerichts im Reich, des Reichskammergerichts, war ein repräsentativer Wiederaufbau erforderlich, um die alte unabhängige Stellung zu erhalten. Die Kirche wurde in starker Anlehnung an die Katharinenkirche in Frankfurt am Main konzipiert. 1701 wurde der Grundstein gelegt, 1703 war der Rohbau fertig aber erst1717 konnte die Kirche zur „Heiligen Drey-Einigkeit“ mit einem dreitägigen Fest um den 200. Reformationstag, eingeweiht werden. Der stehen gebliebene Turm der zerstörten Ratskirche St. Georg konnte als Läutturm dienen. Noch war das Rathaus nicht fertig gebaut. Es wurde erst 1726 vollendet, das Kaufhaus gar erst 1748.

Keine 80 Jahre nach ihrer Fertigstellung erlitt die lutherische Hauptkirche von Speyer das Schicksal von Profanierung und Raub. Die Französische Revolution war in Speyer und der Pfalz angekommen und machte Gottesdienste jahrelang unmöglich. Erst mit dem Sieg über Napoleon und der darauf folgenden Neuordnung der deutschen Gebiete, begann sich neues kirchliches Leben wieder zu organisieren. Die Stadt Speyer verlor ihre Reichsfreiheit und wurde Hauptstadt des Rheinkreises im Königreich Bayern. Für die religiösen Angelegenheiten der Lutheraner und der Reformierten wurde der (katholische) bayerische König zuständig. Nach ersten lokalen Unionen stimmten im Jahr 1818 die Hausväter in der gesamten Pfalz über eine Vereinigung der beiden evangelischen Konfessionen ab, die seitdem in der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) vereinigt sind, der ersten Union zwischen Lutheranern und Reformierten, die aufgrund einer Abstimmung zustande kam.

 

In der Zeit des aufkommenden Nationalismus im 19 Jahrhundert sollte eine Gedenkstätte an den Reichstag von 1529 erinnern, hatte doch der Protest einer Minderheit auf dem Speyerer Reichstag 1529 den ‚Protestanten’ ihren Namen gegeben. Man meinte, mit der Dreifaltigkeitskirche örtlich ganz nahe diesem zentralen Ereignis der Reformation zu sein und wollte deshalb die Dreifaltigkeitskirche zugunsten eines größeren, repräsentativeren Neubaus im neugotischen Stil abreißen. Die Bürgerschaft hingegen stellte sich schützend vor ihre Kirche. Außerdem irrten die Betreiber des Projekts in der Annahme, dass der Reichstag der Protestation in dem Patrizierhaus zum „Retscher“ stattgefunden habe, weshalb der Neubau der Gedächtniskirche der Protestation letztlich am damaligen Stadtrand verwirklicht wurde.

An die Geschichte des Reichstags von 1529 und die Union von 1818 erinnern heute vier Emporenbilder an der 1824 eingebauten Sängerempore an der Kanzelseite.

 

Trotz mancher Renovierungen und damit verbundener Eingriffe blieb der Charakter des lutherischen Hochbarock im Inneren nahezu unverändert erhalten: eine Bilderkirche, ausgemalt von der Decke über zwei Emporen hin, eine Festkirche, die mit ihrem Altar, dem Orgelprospekt, der Kanzelgestaltung und ihren Engelscharen den Glanz des Evangeliums in Augen und Herzen hineinleuchten lässt.